WM2006

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NaturfreundeJugend Berlin

„Ich möchte in Deutschland nicht um Asyl bitten müssen.“
Anthony Yeboah, ehem. Bundesligaprofi

Beim Länderspiel der DFB-Auswahl der Männer gegen die Slowakei am 3. Sep­tember 2005 gelang es deutschen Nazis, ihre Parolen über die Außen­mikrofone in die Wohnzimmer der Fern­seh­zuschauerInnen zu grölen. „SS SA Germania“, „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ wurde lauthals skandiert und auch eindeutig rassistische Parolen wie „Zick-Zack Zigeuner­pack“ oder „uhuhuh“-Rufe in Richtung der Schwarzen Spieler der DFB-Mannschaft waren aus der deutschen Ecke hören.

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Danny Butter

Stiftung Warentest hat’s festgestellt: Das Berliner Olympia-Stadion ist vor Bombenangriffen nicht sicher. Sowieso scheinen Bomben allerorts besser geworden zu sein. Denn seit dem 11. September 2001 ist kaum noch etwas – sei es nun das Olympia-Stadion, der Bundestag oder der Pots­damer Platz – vor Bomben sicher.
So banal es auch erscheint: An sich dürfte nichts Überraschendes dran sein, an der Feststellung, dass eine Bombe zerstörerische Wirkung hat. Dennoch hat der von der Stiftung Warentest durchgeführte Stadien-Test Aufsehen erregt und damit in die Kerbe geschlagen, die die bundesweite La-Ola-Welle für Überwachungs‑, Aus­grenzungs- und Kontrollmaßnahmen anheizt.

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Matthias Gärtner

Beim Derby der beiden Traditionsklubs Hallescher Fußballclub (HFC) und des FC Sachsen Leipzig (25.03.2006) wurde der Leipziger Spieler Adebowale Ogungbure nach Spielabpfiff von über den Zäunen gestiegenen HFC-Anhängern diskriminierend beschimpft, bespuckt, regelrecht gejagd und unter den Augen der Ordner geschlagen und getreten.

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Matthias Jaenicke

Deutsche Politiker lieben es, auf Torwände zu schießen. Auch Bundeskanzler machten da bisher keine Ausnahme. Schließlich demonstriert kaum etwas mehr „Volksnähe“ als ein strammer Spannschuß auf die Sperrholzplatte mit zwei Löchern und der simplen Rummelplatzdramaturgie. Meistens gaben die obersten „Volksvertreter“ bei diesen Auftritten allerdings eine wenig glückliche Figur ab. Von Altkanzler Kohl etwa ist so manches Foto beim Torwandschießen überliefert, auf dem seine Zunge unbeholfen im Mundwinkel klemmt. Bekam Kohls massige Physiognomie so etwas geradezu anrührend kindliches, wirkte sein Nachfolger Schröder stets wie ein gegen den Ball tretender Urmensch. Die Gestalt gedrungen, den Kopf zwischen den von der schusssicheren Weste gewaltig aufgeplusterten Schultern vergraben, der Mund im Moment des Schusses zu einem »uuuh« geformt. Alles egal. Was zählte war allein die Botschaft und die lautete schlicht: »Liebt mich, ich bin einer von euch!«

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Lars Bretthauer


Als Resultat der massiven Lobby­­arbeit von anti-rassistischen Or­ga­nisa­tionen hat der Weltfu߭ballverband FIFA Ende März 2006 fast unbemerkt von der Öffentlichkeit einen neuen Absatz in seine Dis­zi­plinarordnung eingefügt. Dieser sieht vor, dass „bei diskriminierendem oder menschenverachtendem Verhalten eines Spielers, Offiziellen oder Zuschauers, das einer Mannschaft zugeordnet werden kann, der betreffenden Mannschaft bei einem ersten Vergehen automatisch drei Punkte abgezogen werden. [...] Bei Spielen ohne Punktvergabe erfolgt die Disqualifikation“. Im Gegensatz zu den „anti-racist speaches“, die die Kapitäne der Viertelfinalmannschaften bei der Fußballweltmeisterschaft verlasen, hätte der letzte Satz schon während des WM-Finales gravierende Folgen im Fall Materazzi-Zidane haben können. Dazu kam es aber nicht, denn beide Akteure erklärten, dass keine rassistische Beleidigung vorgelegen habe. Grundsätzlich stellt sich natürlich die Frage, welche Ziele die anti-rassistischen Regeln der FIFA über die Beruhigung von Sponsoren und kritischer Öffentlichkeit hinaus erreichen können. Nichtsdestotrotz haben die neuen Regeln der FIFA, die auf den Protest anti-rassistischer Fanorganisationen gegen die weltweiten rassistischen und antisemitischen Fahnen, Fangesänge und Gesten reagierte, formell einen neuen Verhaltenskodex in den Fußball eingeführt.

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