WM2006

Autor_in: 
Dario Azzellini

„Die Isolierung kann mit einem Fußball durch­brochen werden, mit ihm können viele virtuelle Tore gegen die Macht und das System geschossen werden.“
Guillermo Almeyra

Autor_in: 
Lars Bretthauer

 

Gesellschaftsanalyse wird immer von einem bestimm­ten Ort und aus einer spezifischen Perspektive unternommen. Das Erkenntnissubjekt ist der gesellschaftlichen Realität nicht vorgängig, sondern immer schon durch sie subjektiviert und in ihren Erkenntnismöglichkeiten geprägt. In seinem sehr lesenwerten Buch „Tor zur Welt. Fußball als Realitätsmodell“ stellt sich Klaus Theweleit diesen philosophischen Lehrformeln mit der Frage, inwiefern Gesellschaft aus der Perspektive des Fußballsozialisierten verstanden werden kann.

Autor_in: 
Niklas Wittkowski

Deutsche Hooligans zertrümmerten während der WM in Frankreich 98, dem Familienvater und Polizisten Daniel Nivel den Schädel. Wenn in diesem Jahr die englische Nationalmannschaft spielt, geht man besser nicht auf die Straße. Hooligans sind nicht ausgelastete Jugendliche aus sozialen Brennpunkten. Hooligans sind Verbrecher, Menschen vor denen man Angst hat.

Autor_in: 
Lars Bretthauer

„What’s nationalism without football, what’s football without nationalism?“

Einen Artikel über das Verhältnis von Fußball und Nationalismus zu schreiben, scheint auf den ersten Blick selbstverständlich. Schließlich sind gerade innerhalb der Linken Vorbehalte gegenüber dem Fußball als institutionalisiertem Feld nationalistischer Verhaltensweisen gängig. Fußball stellte bis Mitte der 1990er einen der wenigen gesellschaftlichen Orte in Deutschland dar, an dem die kollektive Identifizierung mit der „deutschen Nation“ offen gelebt wurde und das „WIR“ offen und erleichtert in den Nachrichtensendungen über die Lippen ging. So unerlaubt der aggressive Bezug auf die „deutsche Nation“ im zivilen und politischen Leben war, so nachdrücklich war die Einladung, mit „unseren Jungs“ zu fiebern, wenn „ganz Deutschland“ vor dem Fernseher die Daumen drückte.

Autor_in: 
Christian Schröder

Homeless World Cup - Die Fußball-WM der Obdachlosen

Peter Skrabut ist Spieler der deutschen Nationalmannschaft. In seinem Alltag verkauft er seit 2001 die Regensburger Straßenzeitung Donaustrudl. 1,30 Euro kostet die monatliche erscheinende Ausgabe, die Hälfte der Verkaufserlös geht an ihn, der Rest geht an die Zeitung. Der 46-Jährige hat zwei fehlgeschlagene Versuche unternehmerischer Selbstständigkeit hinter sich. Seine Beziehung ging in die Brüche. Er machte Schulden, wurde mittel- und obdachlos. Im deutschen Team der Fußball-WM der Wohnungslosen ist er seit dem ersten Anpfiff 2003 dabei.

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