Soziale Bewegungen

Autor_in: 
Anonymata

Zur Beurteilung der Ereignisse in Frankreich ist der offiziellen Presse bislang nicht mehr eingefallen, als den Mai 68 in seiner verkitschten Jugendprotest-Version zu zitieren, um der Bourgeoisie die Angst vorm Zerfall ihrer Verhältnisse zu nehmen. Dass sie versucht, die Angst vor dem Neuen zu bannen, indem sie ihm den Namen des Alten verleiht, bezeugt ihre mythische Funktion. Doch ihre Bannsprüche sind brüchig. Wie wenig sie ihrer Aufgabe noch gerecht werden, lässt sich anhand der Widersprüche ausmachen, welche die Berichterstattung durchziehen: Beschworen wird der studentische Charakter des Aufbegehrens, obgleich keine einzige Forderung sich auch nur auf die Reform des universitären Rahmens bezieht. Beschworen wird, diese Proteste hätten nichts mit den Banlieue-Unruhen des vergangenen November zu tun, obgleich dieselben Gesten nun wieder auftauchen und die Rauchzeichen über jeder neuen Demonstration von der gleichen Unzufriedenheit zeugen. Beschworen wird, es handele sich allein um eine Kritik am Ersteinstellungsvertrag, obgleich die Menschen im Protest seit den ersten Tagen eine andere Sprache gefunden haben.

Autor_in: 
Peter Hartig
 

Mit der Räumung des Bauwagenplatzes Bambule am 4. November 2002 begann in Hamburg eine Reihe von Protesten, an denen sich nicht nur die linke Szene, sondern viele weitere Interessengrup­pen beteiligten. Die Motivation hierfür war nicht einfach Solidarität mit den Bauwagenplätzen, deren Existenz in Hamburg mit einem eigenen „Wohnwagengesetz“ vom 19. Dezember 1952 geregelt ist, sondern der Angriff des Senates aus CDU, FDP und Schill-Partei auf nahezu alle sozialen Bereiche.

Autor_in: 
Steffen Vogel
 

Kritik am Weltsozialforum: Basisbewegungen und Intellektuelle sehen einen eklatanten Mangel an Demokratie bei den weltweiten Versammlungen der globalisierungskritischen Bewegungen.

Autor_in: 
Steffen Vogel

Um den Platia Omonia, den Platz der Eintracht, tost der Verkehr. Sechs stark frequentierte Straßen treffen hier an einem zentralen Ort der griechischen Hauptstadt zusammen. Die AthenerInnen fahren schnell und betrachten rote Ampeln meist als überflüssiges Hemmnis. Motorisierte Zweiräder aller Art erfreuen sich großer Beliebtheit und tragen zum enormen, auch Nachts kaum gemilderten Lärmpegel bei. Auf dem Platz, vor der Glasfront eines teuren Hotels sitzt auf einem flachen Schemel ein alter Mann, das Gesicht von einer Bräune, die vom ständigen Arbeiten unter einer südlichen Sonne zeugt. Zuweilen bleiben Männer in gut geschnittenen Anzügen stehen und heben ihre Füße auf ein kleines Holzpodest zwischen den Beinen des Alten. Der krempelt mit einer geübten Bewegung die Hose seiner Kunden leicht hoch, greift zu Lappen und Dosen, wendet sich dann den Schuhen zu. Gelegentlich sieht man ihn bei seinem etwa gleichaltrigen Nachbarn stehen, der Sesamringe verkauft. Das Bild komplettiert ein Tamile, er umkreist mit einem Tablett voller Sonnenbrillen den Platz. Eine nostalgische Szene, ein romantisches Überbleibsel traditioneller Berufe? Vielleicht. Vielleicht aber auch ein Vorgeschmack auf eine europäische Arbeitswelt, die keine Sicherheit mehr bietet, sondern allenfalls Einkommen, die zum Leben gerade oder kaum noch reichen.

Autor_in: 
Steffen Vogel

1968, so sagt man, hat in Italien zehn Jahre gedauert. Erst mit der brutalen Zerschlagung der Autonomia Operaia und der Inhaftie­rung Tausender AktivistInnen Ende der 70er gelang die vorläufige Befriedung des Landes. Während die 80er Jahre in Italien oft als „bleiern“ beschrieben werden, setzte dort wie in vielen anderen Gegenden der Welt in den 90er Jahren eine Neuformierung der sozialen Bewegungen ein. Mittlerweile ist die italienische Linke die vielleicht mobilisierungsfähigste und kreativste Europas. Neben den zwei erfolgreichen Generalstreiks wurde dies hierzulande im letzten Dreivierteljahr vor allem durch die Millionen-Demos gegen die Abschaffung des Kündigungsschutzes bzw. den Irak-Krieg wahrgenommen. Zuvor hatten die Ereignisse rund um den G8 in Genua im Juli 2001 die sozialen Auseinandersetzungen in Italien ins Licht einer breiten Öffentlichkeit gerückt.

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