Rassismus

Autor_in: 
Lars Bretthauer


Als Resultat der massiven Lobby­­arbeit von anti-rassistischen Or­ga­nisa­tionen hat der Weltfu߭ballverband FIFA Ende März 2006 fast unbemerkt von der Öffentlichkeit einen neuen Absatz in seine Dis­zi­plinarordnung eingefügt. Dieser sieht vor, dass „bei diskriminierendem oder menschenverachtendem Verhalten eines Spielers, Offiziellen oder Zuschauers, das einer Mannschaft zugeordnet werden kann, der betreffenden Mannschaft bei einem ersten Vergehen automatisch drei Punkte abgezogen werden. [...] Bei Spielen ohne Punktvergabe erfolgt die Disqualifikation“. Im Gegensatz zu den „anti-racist speaches“, die die Kapitäne der Viertelfinalmannschaften bei der Fußballweltmeisterschaft verlasen, hätte der letzte Satz schon während des WM-Finales gravierende Folgen im Fall Materazzi-Zidane haben können. Dazu kam es aber nicht, denn beide Akteure erklärten, dass keine rassistische Beleidigung vorgelegen habe. Grundsätzlich stellt sich natürlich die Frage, welche Ziele die anti-rassistischen Regeln der FIFA über die Beruhigung von Sponsoren und kritischer Öffentlichkeit hinaus erreichen können. Nichtsdestotrotz haben die neuen Regeln der FIFA, die auf den Protest anti-rassistischer Fanorganisationen gegen die weltweiten rassistischen und antisemitischen Fahnen, Fangesänge und Gesten reagierte, formell einen neuen Verhaltenskodex in den Fußball eingeführt.

Autor_in: 
Angela Mitropoulos

The ’race riots’ in Cronulla at the end of last year made it clear that all is not well in Australia’s multicultural paradise. Here, Angela Mitropoulos examines the racism, mechanisms of border control and changing conditions of work underneath the beach utopia.

Autor_in: 
Sasha Tomasz

Was meint „Islamophobie“? Nach den An­schlägen auf die Londoner U-Bahn im vergangenen Juli häuften sich in Großbritannien massiv Attacken auf Moscheen, arabische Gemüseläden und jene Menschen, die als muslimisch identifiziert wurden. Und schon seit dem 11. September 2001 haben einige rechtspopulistische Parteien wie der französische Front National ihre bevorzugten Stereotype neu sortiert: Statt wie bisher auf der Klaviatur des Antisemitismus zu spielen, warnen sie nun vor Zuwanderinnen und Zuwanderern aus islamisch geprägten Ländern, angeblich Transporteure von Terror, Gewalt und Unkultur.
Worauf verweist das? RassistInnen wechseln ihre Feindbilder zuweilen. Italienische MigrantInnen etwa bildeten noch in den sechziger Jahren eine bevorzugte Zielscheibe in Westdeutschland, sind mittlerweile aber weitgehend akzeptiert. Warum also von „Islamophobie“ sprechen, wenn Rassismus gemeint ist?

Autor_in: 
Neelke Wagner

Obwohl die linke Kritik am Islamismus zahl- und wortreich stattfindet, dringt sie nicht zum Kern vor: den uneingestandenen Ängsten vor der eigenen Aggression

Die Beobachtungen von Sasha Tomasz zur sich ausbreitenden Islamophobie können zu der Frage fortgeführt werden, warum auch eher link(sliberal)e Medien von ihr alles andere als frei sind. Gemeinsam mit einem anderen religiösen Fanatiker, dem US-amerikanischen Evangelikalen, gehört der „Islamist“ zu den beliebtesten Stereotypen auch link(sliberal)er Medien und WissenschaftlerInnen.

Autor_in: 
Pia Garske

Ein Sammelband diskutiert erstmalig umfassend den Stand der Kritischen Weißseinsforschung in Deutschland

 

Falls an deutschen Universitäten überhaupt über Rassismus diskutiert wird, passiert es oft, dass eine Auseinandersetzung der weißen1 Studierenden und Lehrenden mit diesem Thema auf einer sehr abstrakten Ebene bleibt – rassistisch seien „die anderen“ (weniger gereisten/studierten/fortschrittlichen), Hautfarbe spiele doch keine Rolle, alle Menschen seien gleich und die weißen Studierenden überlegen daraufhin, wie Rassismus abgeschafft werden kann. Solche „Colourblindness“ empfinden viele auch „antirassistisch“ eingestellte, sich als links verstehende weiße Menschen als angemessene Umgangsweise mit dem Problem Rassismus.
Dass diese Einstellung die weiße Position im rassistischen Setting nicht hinterfragt, und weißen Menschen erlaubt, sich selbst und ihre auf Rassimus basierende gesellschaftliche Machtposition unangetastet zu lassen, ist ein zentraler Ansatzpunkt der Kritischen Weißseinsforschung.

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