Krieg

Autor_in: 
Sarah Ernst


In ihren Werken heben sie immer wieder hervor, wie entscheidend Wissen über Geschichte ist. Und auch von welch grundlegender Bedeutung es für eine Regierung ist, die Menschen in einen Zustand von „historischer Amnesie“ zu versetzen. Können sie das genauer erklären?

Howard Zinn: Wenn Menschen ihre Geschichte nicht kennen – und ich meine damit nicht die aufpolierte nationalistische Geschichte, die wir aus der Schule und den Medien kennen – sind sie leicht zu täuschen. Wenn der Präsident dann der Nation erklärt, dass diese einen Krieg für Freiheit oder Demokratie führen muss, oder weil sie bedroht worden ist, kann eine Öffentlichkeit, die nicht um ihre Geschichte weiß, das nicht überprüfen. Aber wenn die Menschen wissen, welche Täuschungsmanöver Präsidenten einsetzen um Nationen vom Kriegseintritt zu überzeugen, würden sie dem nicht einfach Folge leisten, sondern wären sehr skeptisch. Wenn sie die Geschichte kennen, würden sie wissen, dass Präsident James Polk versicherte, er führe Krieg gegen Mexiko wegen eines Grenzzwischenfalls von 1846 und weil er den Mexikanern die Zivilisation bringen wolle. Die Menschen würden verstehen, dass er über seine wahren Motive gelogen hat, die darin bestanden, sich fast die Hälfte Mexikos einzuverleiben. Sie würden sich daran erinnern, dass die USA 1898 mit dem Ziel in Kuba einmarschierte, die Kubaner zu befreien und den Inselstaat dann praktisch zu einer Kolonie der USA machten. Und sie würden wissen, dass Präsident McKinley ebenso über die wahren Motive für die Invasion der Philippinen log, wie Woodrow Wilson über den ersten Weltkrieg und Lyndon Johnson über die Gründe für den Vietnam Krieg gelogen hat.

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