Klima

Autor_in: 
Andreas Hetzer


„Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie als boni patres familias (gute Familienväter) den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.“ (Karl Marx)

Treibstoffe aus pflanzlichen Rohstoffen haben in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Boom erlebt. Die weltweite Ethanol-Produktion wurde zwischen 2000 und 2005 mehr als verdoppelt; die Herstellung von Biodiesel im globalen Maßstab sogar vervierfacht. Die politischen Rahmenbedingungen dafür haben nicht zuletzt die EU und die USA auf den Weg gebracht. So haben die USA die ehrgeizige Zielmarke von 15 Prozent Beimischquote für Agrotreibstoffe bis 2017 ausgegeben. Die steigenden Energiekosten und der dynamische Markt für Rohölpreise tragen ihren Teil dazu bei, dass die Energiegewinnung aus pflanzlichen Rohstoffen laut UN das landwirtschaftliche Segment ist, das auf dem Weltagrarmarkt die höchsten Zuwachsraten der letzten Jahre aufweist. Darüber hinaus wird der Pflanzensprit als saubere Alternative gepriesen, die den Ausstoß schädlicher Klimagase beträchtlich verringere und zur Erfüllung der Ziele des Kyoto-Protokolls beitrage. Agrotreibstoffe sind also kein Projekt einer neuen Ökologiebewegung, sondern ein industriepolitisches Programm einer politischen und ökonomischen Elite in den Industrie- und aufsteigenden Schwellenländern.

Autor_in: 
Redaktion Sul Serio
Redaktion arranca

Ausgabe Nr. 14

Eine gemeinsame Ausgabe von arranca! und sul serio

(Sommer 2008)

Editorial

Reden über "das Klima" erinnert an schlechte Satire: Regenwaldfressende Klimaschurken und Klimakiller-Kühe auf der einen Seite, die nachhaltig-selbstzufriedene Bohème mit ihrer Bio-Propaganda auf der anderen. Vieles nervt zu Tode in dieser allgegenwärtigen Klimadebatte, die mit konkreten sozialen Kämpfen kaum etwas zu tun zu haben scheint. Auch wenn irgendwo die Erkenntnis schlummert, dass hier eminent Wichtiges zu verhandeln wäre, erscheint das Feld der Auseinandersetzungen durchsetzt von Stolperdrähten des individuellen Verzichts und der verkappten Wirtschaftsförderung. Es reift die Gewissheit, dass die gegenwärtige Bearbeitung des Themas markt- und herrschaftsförmig verläuft.

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