Passagen durchs Kriegsgebiet

 
Autor_in: 
Bettina Engels
Pedro Rosa Mendes / Wolf Böwig:

Schwarz.Licht. Passagen durch Westafrika.
Hrsg. von medico international.

Brandes & Apsel | 2006.
208 Seiten mit Fototeil | 19,90 EUR

 

Was Rosa Mendes aber von po­pu­lis­tischen Dritte-Welt-Kriegs­repor­ter­Innen unterscheidet, sind seine poetische Spra­che, seine de­tail­genaue Recherche und Kenntnis des Su­jets. Anhand persönlicher Ein­drücke und Erlebnisse schil­dert er Lebensrealitäten der am Krieg Beteiligten und von ihm Betroffenen. Auch in seiner Darstellung erscheint Afrika klischeehaft fremd, exotisch und bedrohlich. Aber dem Text ist die Betroffenheit des Autors anzumerken. Der kurze Anhang bietet sorgfältig recherchierte Informationen: Zeit­tafeln, Namensregister und Ab­kür­zungs­verzeichnisse zu den be­waf­fneten Konflikten in den vier Ländern.

Schwarz.Licht ist kein chronolo­gischer Reisebericht, hat keine Story, keine Handlung. Die Autoren schildern – jeder mit seinen Mitteln – Impres­sio­nen von mehreren Reisen, Rosa Mendes mit Worten, Wolf Böwig mit Bildern. Das Foto­essay des Bildjournalisten im Mittelteil des Buches trägt den Titel Was Menschen tun und umfasst 32 Schwarzweiß-Fotos. Sie zeigen Kriegsopfer, Über­le­bende, Kämpfer und Veteranen. Kritisch zu beurteilen sind Aussagen wie das „Chaos in Westafrika“ werde „lediglich dank der Anwesenheit von drei internationalen Friedens­missionen mit rund fünf­und­zwan­zig­tau­send Blau­helm­soldaten in Schach gehalten“ oder der bewaffnete Kampf sei die Haupteinnahmequelle „in Ländern, in denen die Arbeitslosenquote fünfundachtzig Prozent erreicht“. Letzteres stimmt erstens nicht und forciert zweitens unterschwellig die These, in Afrika werde nicht für politische Ziele, sondern zur persönlichen Bereicherung gekämpft.

Meist vermittelt das Buch den Eindruck, man könne im Krieg nur Opfer oder Tä­ter­In sein. Einige Seiten jedoch widmet Rosa Mendes denjenigen, die weder TäterInnen sind, noch sich mit der Passivität der Opferrolle zufrieden geben – hier einer Frauen-Friedensinitiative in Liberia, die an die Women in Black erinnert, bloß dass die liberianischen Friedensaktivistinnen sich für ihre Proteste weiß kleiden. Schade nur, dass über den Krieg, in Schwarz.Licht wie allgemein, soviel mehr berichtet wird als über den Frieden und seine AktivistInnen.

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