Im Auftrag des Herrn

Autor_in: 
Christian Schröder

Frerk, Carsten:
Caritas und Diakonie in Deutschland.
Alibri Verlag, Aschaffenburg, 2005

366 Seiten, 22,50 Euro, ISBN 3-86569-000-9

 

Caritas und Diakonisches Werk genießen eine Sonderstellung im deutschen Wohlfahrtsstaat. Die beiden christlichen Sozialkonzerne sind mit ihren 1,5 Millionen Beschäftigten die größten nichtstaatlichen Arbeitgeber in der Bundesrepublik und setzen jährlich 45 Milliarden Euro um. Nur 1,8% des Geldes sind Eigenmittel, der größte Teil hingegen öffentliche Mittel, über deren Verwendung sie den Rechnungshöfen nur eingeschränkt Rechenschaft ablegen müssen.
Carsten Frerks (freier Autor), der bereits 2002 eine Studie über „Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland“ publiziert hat, stellt detaillierte Informationen über Struktur, Finanzierung und Tätigkeitsfelder der beiden Wohlfahrtsverbände zusammen. Ihre Finanzierungsquellen umfassen neben umfangreichen staatlichen Zuschüssen Lotteriegelder, Einnahmen durch Wohlfahrtsmarken etc. Zugleich gelten für ihre MitarbeiterInnen die Besonderheiten des kirchlichen Arbeitsrechts: Sie haben keine echten Mitbestimmungsrechte und die passende Konfession gehört formal zur Einstellungsvoraussetzung.
Zudem profitieren Caritas und Diakonie in umfangreichem Maße von kostengünstigen MitarbeiterInnen (Ehrenamtliche, FSJ/FÖJ, ABM) und sind Nutznießer staatlicher Billigarbeitskräfte (Zivis, Ein-Euro-Jobs).
Die Stärke des Buches liegt in der gründlichen Recherche in diesem intransparenten Feld und der umfangreichen Auflistung der staatlich Privilegien, die Caritas und Diakonie eingeräumt werden. Dies ist zugleich das Manko, denn wegen seines Detailreichtums ist das Buch stellenweise etwas trocken zu lesen.

 

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