„Der Fall Ogungbure“: Ein ganz alltäglicher Vorgang

 
Autor_in: 
Matthias Gärtner

Beim Derby der beiden Traditionsklubs Hallescher Fußballclub (HFC) und des FC Sachsen Leipzig (25.03.2006) wurde der Leipziger Spieler Adebowale Ogungbure nach Spielabpfiff von über den Zäunen gestiegenen HFC-Anhängern diskriminierend beschimpft, bespuckt, regelrecht gejagd und unter den Augen der Ordner geschlagen und getreten. Ogungbure wehrte sich und zeigte in Richtung der betreffenden Personen einen Hitlergruß und imitierte einen Hitlerbart. Was dann in den nächsten Tagen folgte, ist an Peinlichkeit nicht mehr zu überbieten. HFC-Präsident Michael Schädlich macht einzig und allein den Spieler Ogungbure für die Tätlichkeiten verantwortlich. Der Präsident seines eigenen Vereins  mahnt ihn, „einfach profihaft mit solchen Dingen umzugehen“ und ist außerdem der Meinung, dass „die Afrikaner [...] zwar austrainiert wirken, wie Muskelprotze. Aber im Innern sind das alles noch Kinder“. Die Polizei stellt wegen Zeigens eines verfassungsfeindlichen Symbols eine später fallen gelassene Anzeige gegen den Spieler, der Norddeutsche Fußballverband ahndete die Vorkommnisse mit einer Strafe von 600 Euro wegen des Abbrennens von Feuerwerkskörpern. Eine Anzeige gegen die Täter, die ihn bespuckt und geschlagen haben, erfolgt allerdings nicht. Dagegen stellte sich Ogungbures Verein Sachsen Leipzig hinter den Spieler und rief mit Faninitiativen die Aktion „Wir sind Ade“ in Leben. Schon Wochen vorher hatten sich die Mitspieler von Ogungbure als Reaktion auf rassistische Äußerungen öffentlichkeitswirksam schwarz angemalt ablichten lassen. Damit jedoch nicht genug: beim Spiel zwischen Leipzig und Energie Cottbus II (22.04.06) zogen die in weiß gekleideten Cottbus Fans mit dem Spruch „SS, SA, die Cottbusser sind da“ ins Stadion und entrollten ein Transparent mit der Aufschrift „Ihr seid Ade – wir sind weiߓ.     www.wir-sind-ade.de

 

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