Populärästhetik - Subjektivität - Öffentlichkeit

Autor_in: 
Max Lill
Erscheinungsjahr mit Monat: 
Juli 2011

 

Sinnliche Aneignungsweisen zwischen Fordismus und flexiblem Kapitalismus

Die moderne Populärästhetik zeichnet gegenüber den älteren volksnahen und bürgerlich-aristokratischen Künsten aus, dass sie Repräsentationsformen gewachsener Subjektivität aus allen Klassenfraktionen heraus in die Öffentlichkeit trägt. Sie ist damit heute zentral für eine genussvolle Gestaltung des Alltagslebens auch jenseits von Familie, Kunst und Freizeitkultur.

Die Bewertung dieser Entwicklung bleibt jedoch umstritten. Das liegt vor allem daran, dass die Alltagsästhetik mehr als je zuvor auch der kapitalistischen Inwertsetzung der ganzen Person dient. Sie ist gleichermaßen Mittel der Selbst-Ökonomisierung wie Terrain der Ideologieproduktion. Zugleich sind ihre meist körperbetonten Techniken zunehmend unverzichtbar für die Stabilisierung von fragil gewordenen Identitäten und den Zugang zu sozialer Teilhabe.

Der Aufbau einer linken Gegenhegemonie wird nicht ohne einen bewussteren Umgang mit der Populärästhetik möglich sein. Das setzt voraus, dass wir die sinnlichen Dimensionen des Alltagsbewusstseins auch intellektuell klarer fassen. Max Lill gibt einen Einblick in die Verschränkung von Subjektivitätsentwicklung und Ökonomisierung in der Populärästhetik im Übergang vom Fordismus zum flexiblen Kapitalismus der Gegenwart.

 

Max Lill ist studierter Sozialkundler und Geograph. Er lebt in Berlin und arbeitet derzeit u.a. als Redaktionsassistent bei der Mitgliederzeitschrift der GEW-Hamburg »hlz«. Eine überarbeitete und erweiterte Version seiner Studienabschlussarbeit zur Rolle der Musik in den Jugend- und Studentenrevolten der 1960er Jahre am Beispiel von Bob Dylan und The Grateful Dead erscheint demnächst beim Archiv der Jugendkulturen Berlin.

 

Inhalt

1. Zur politischen Brisanz kritischer Analysen der Alltagsästhetik
Populärästhetik und Alltagskultur – Leerstellen der Linken?
Subjektivierung, Ökonomisierung und die Fremdheit zwischen den Generationen der Linken

2. Politisch-theoretische Ausgangspunkte und historische Entwicklungslinien
Die Entfaltung von Subjektivität als Ansatzpunkt für einen radikalen Reformismus
Sozialtheoretische Schlaglichter auf den Strukturwandel der Öffentlichkeit
Der Aufstieg der Populärästhetik im Fordismus – als Verlusterfahrung …
… und Emanzipation der Sinne

3. Alltagsästhetik und Subjektivität in der Krise und Auflösung des Fordismus
Kulturrevolte, »neue Linke« und Feminismus
Passive Revolution und kulturelle Enteignung
Die Einschreibung des Neoliberalismus in jugendliche Körper als mediales Massenvergnügen
Partizipation in »Szenen« als Raum für die Transformation des Habitus
Verschränkung von Arbeit und Leben und »konkreter Enthusiasmus«

 

Erschienen als Supplement der Zeitschrift Sozialismus 7-8/2011

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