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sul serio #13 WARE LUST MACHT ARBEITDie soziale Verantwortung der Technikvon Silke Meyer Mensch muss nicht SoziologIn sein, um den Sammelband Technografie. Zur Mikrosoziologie der Technik von Werner Rammert und Cornelius Schubert spannend zu finden. Mensch muss allerdings bereit sein, markige Fremdwörter zu ertragen. Im Zentrum steht der Begriff ‚Technografie‘, welcher eine Forschungsperspektive benennt, in der unser Umgang mit Technik im Arbeits- und Alltagsleben untersucht wird. Es geht darum, Artefakte als ein künstliches gesellschaftliches Erzeugnis zu analysieren: Maschinen sind von Menschen gemacht und damit nicht neutral und unproblematisch, sondern sie sind von der Kultur, in der sie existieren, und der sozialen Situation, in der sie arbeiten, nicht trennbar. ‚Technografie’ will diese Verwobenheit von Technischem, Kulturellem und Sozialem erforschen. Dabei sollen Symboliken und Rollenverteilungen zwischen Menschen und Technik sichtbar werden. Mit dem Anliegen, situationsbezogene, detailgenaue Analysen zu liefern, machen die AutorInnen sich für qualitative Forschungsmethoden stark und grenzen sich auch von der Diskursforschung ab. Unter ihnen ist Konsens, dass Menschen und Maschinen gleichermaßen handeln, Kompetenzen und Verantwortung tragen. Bruno Latour etwa arbeitet die Interessenkonstellationen heraus, in denen Technik entwickelt wird. Er beobachtet, wie widersprüchliche Interessen gleichzeitig in demselben Artefakt umgesetzt werden, so dass es einen instabilen Kompromiss aufrechterhält. Hier wird deutlich, welch verantwortungsvolle soziale Rolle Artefakten überlassen wird. Andere Beiträge forschen im Operationssaal oder im Call Center. Die methodische Positionsbestimmung soll ‚Technografie’ von der klassischen Ethnographie abgrenzen und sie erweitern. Was folgt, ist eher eine Problematisierung technikbasierter ethnographischer Erhebungsmethoden wie Online-Forschung oder Videoaufzeichnung. Holger Braun-Thürmann hält fest: „‚Technografie’ ist keine neue Methode, sondern der Versuch, erforschbar zu machen, wie technische Artefakte soziale Ordnungen mitprägen und in diesen soziale Bedeutungen erhalten.“ Was der ‚Technografie’ eine neue Brisanz geben könnte, wäre die Verknüpfung mit Ansätzen aus den Gender Studies: So könnte die Relevanz von sozialen Kategorisierungen in der Praxis und in der Verknüpfung mit Technik erforscht werden.
Rammert/Schubert (Hg):Technografie. Zur Mikrosoziologie der Technik.Campus, 2006. |
Inhaltsverzeichnis
Editorial Sexarbeit und weibliche Migration: Hoffnung auf ein besseres Leben Frauenhandel in Argentinien: Es gibt wieder Verschwundene. Interview mit Sara Torres Reportage: In den Spiegel schauen fällt schwer Feministische Debatte: Prostitution oder Sexarbeit? Die Macht der Klischees: Fuck Me Like The Whore I Am Selbstorganisation: Nach der Hurenbewegung Freier-Motive: Sexuelle Freiheit oder Verführung zum Konsum? Alltagsbilder: Imagens Da Vida Peacekeeping-Missionen & Sexarbeit: Ist der Ruf erst ruiniert Übersichtskarte: Prostitution in Europa
REZENSIONEN ZUM SCHWERPUNKT Laura María Agustín: Emilija Mitrovic (Hg.): Sabine Grenz & Martin Lücke (Hg.): Ingrid Strobl: WEITERE REZENSIONEN Howard Zinn: Mike Davis: Werner Rammert/Cornelius Schubert (Hg.): Rolf Gössner: LITERATUR Christoph Hein: Cormac McCarthy: Literaturportrait: B. Traven. Tote, die noch nicht gestorben sind
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